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Es regnet in Strömen, wie so oft dieser Tage und ich stelle mich in die Bahnhofsstraße. Ich muss zugeben das ist nicht der beste Tag, um fremde Menschen anzusprechen, sie nach ihrem Wahlverhalten zu befragen. Wer sich draußen bewegt, tut dies im Laufschritt und mit heruntergezogener Kapuze. Ich warte auf das Ende des Regens unter dem Dach vom Extrablatt. Vor mir tropft es stark und ich kann immer wieder Leute abfangen, die hier kurz unterschlüpfen, um dann weiterzuspringen. Es ist eine Überraschung, wer hier zu mir kommt, ich kann gar nicht erst wählerisch sein. Sehr unterschiedlichen Hintergrundes sind die Menschen mit denen ich spreche. Es gibt welche mit Masterabschluss und welche mit Sonderschulabschluss. Einige sind schon sehr alt, andere gehen noch zur Schule. Alle haben sie eine klare Meinung. Besonders einprägsam ist die Sorge, die ich spüre. 

Auf die erste Frage „Was für ein Gefühl haben Sie bei der anstehenden Bundestagswahl“ antwortet nur eine einzige Person mit Hoffnung. Bei den anderen dominieren Unsicherheit, Nicht-Wissen-was-sie-wählen-sollen und sogar Angst.

Gut die Hälfte der Menschen hat das Wahlverhalten in den letzten 10 Jahren verändert und nur eine Person gab an, immer das gleiche zu wählen, wobei sie auch nach Partei wählt, während die meisten anderen nach Wahlprogramm und einige wenige nach kandidierender Person ihre Entscheidung fällen.

Auch fand ich es wichtig zu wissen, was die Menschen in der Wittener Innenstadt für Themen beschäftigen und was ihnen wichtig ist für die Wahl. Am häufigsten genannt wurden Klima, Umwelt, Corona bzw. Gesundheitssystem und Flüchtlingspolitik.

Die Zeit der letzten 16 letzten Regierungsjahre betreffend war die Zufriedenheit der Menschen in der Wittener Fußgängerzone durchmischt. Einige waren zufrieden, andere sehr unzufrieden. Ich habe dann gefragt, was für Erwartungen die Menschen an die Politik haben, doch fast niemand hatte eine Antwort. Die Leute konnten sich über viel beschweren, ihren Emotionen freien Lauf lassen, doch keine konkreten Wünsche formulieren.

Über einzelne Themen lässt sich immer streiten. Menschen haben verschiedene politische Positionen, verschiedene Vorstellungen für Gesellschaft und Struktur, die allzu bekannt sind. Doch um am Ende das Wahlergebnis zu verstehen scheint es mir hilfreich die aktuelle Realität der Menschen einzufangen, Themen, die sie beschäftigen, Emotionen, die aufkommen und Wahlverhalten, das sich verändert. Die Frage, wie, nach welchen Kriterien Menschen ihre Wahlentscheidung fällen, ist mehr als interessant und ebenso rätselhaft bisweilen.

Wie ist das bei dir? Wie sehr beeinflusst dein soziales Umfeld, Freunde oder Familie deine Wahlentscheidung? Nach welchen Kriterien wählst du und welche Emotionen spielen dabei eine Rolle?