Zwischen Bett und Kühlschrank


Es stellt sich vor allem die Frage: Studierst du noch oder schläfst du schon?

VON DAVID WNENDT

Ich mach mich auf den Weg. Ich mach mich auf den Weg zur Uni. Ich mach mich auf den Weg zur Uni, denn ich studiere dort. Ich studiere dort im 4. Semester meinen Traum. Meinen Traum, der Wirklichkeit wurde und nun im Schatten der Realität, zum Glück erfolgreich, um sein Dasein kämpft. Eingebettet in morgendlichen Nebel steigt das Gebäude aus dem nichts empor. Im Hintergrund kämpft die Sonne gegen die bereits gelöcherte Decke aus Wolken. Kalte Luft durchdringt mich. Ich bekomme kaum mehr Luft. Ich blicke mich um und sehe meine Kommiliton:innen, die die Einladung des roten Sofas bereits angenommen haben. Wir sprechen, lachen, diskutieren, weinen? Die ersten Stunden ziehen mit den Wolken dahin. Die Sonne lädt zu einem Spaziergang im Uni-Garten ein. Ein bisschen Sonnenbaden bevor die nächsten Vorlesungen am Nachmittag an die Tür klopfen. Dazwischen vielleicht die Verwirrungen der letzten Gedanken mit deinen Freunden lösen, einen Cappuccino von der Cafeteria oder eine Waffel vom lieben Semester unter uns. Die Zeit schreitet voran. Noch schnell im Netto das nötigste besorgen, gleich ist POL. Zwei Stunden Spiel, Spaß und Schabernack…und natürlich Essen! Das war es schon? Noch lange nicht, ab ins Unikat oder doch lieber ins RaumCafé, aber vorher noch zum Syrer, sozusagen zweites Abendessen! Es ist kurz vor 12 Uhr. Der Tag neigt sich dem Ende zu. Ich wache auf!

Die Wahrheit ist nämlich, ich studiere nicht mehr dort. Ich studiere in meiner Wohnung. Ich studiere in meiner Wohnung und spreche mit einem Bildschirm. Ich bekomme kaum mehr Luft, weil ich eine Maske trage. Eine Maske, die mich ständig begleitet und fast schon zur Normalität wurde, sodass sie mich in meine Wohnung verfolgt. Ich blicke mich um und sehe vier Wände, mein Bett und die Vergangenheit, in der wir uns wirklich auf dem roten Sofa die Zeit vertrieben. Wir schalten das mobile Endgerät ein, kämpfen mit dem Internet und mit dem Verlorensein zwischen den schwarzen Kacheln mit Namen darin. Die ersten Stunden, und es ziehen die ersten Gewitterwolken in meinem Kopf auf. Ich gehe nach draußen auf der Suche nach Sonne, einem netten Gespräch, nach einer neuen Begegnung, einem Lächeln. Ich finde Masken, leere Gassen, geschlossene Cafés! Schnell noch das Ladekabel in die Steckdose und hoffen, dass das Internet hält, gleich ist POL. Zwei Stunden mit dem Bildschirm reden. Das war es schon?! 

Nein! Ich verlasse meine Wohnung, allein. Allein; wie viele andere Menschen auch! Sie waren vielleicht schon vorher allein, jetzt sind sie aber vielleicht auch einsam. Einsam, in einer Zeit, in der Wärme aus jedem Fenster strahlen sollte. Einsam, in einer Zeit, in der menschliche Nähe ebenso dazugehören sollte wie Lebkuchen und Zimtsterne! Wo bist du also, Weihnachtszeit?

Sie ist dort, wo sie mir niemand nehmen kann. In meinen Erinnerungen, in meinen Träumen und Vorstellungen, in meinem Herzen. Dort bist auch du, wer immer du auch bist. Ich denke an dich und feiere mit dir jeden Tag, an dem wir nun versuchen, aus allem das Beste zu machen!

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