Weihnachten neu denken oder

neu kaufen?

 

 

Weihnachten sollte abgeschafft werden, wenn sich nicht
bald etwas an den kapitalistischen Traditionen ändert.

 

VON PAULINE BISCHOFSBERGER

 

Weihnachten, das Fest der Liebe.

Aber was bedeutet es überhaupt, einem Tag die Liebe zuzuschreiben? Ist das nicht etwas viel verlangt von uns, aber auch von unseren Mitmenschen? Einem einzigen Tag gestehen wir mit die schönste und bedeutsamste Emotion zu, welche wir hervorbringen können. Dieser Tag soll voller Harmonie und Wärme sein. Ist das denn überhaupt möglich? Und was ist mit Liebe in diesem Kontext gemeint?

Das Wort Liebe leitet sich aus dem Hochdeutschen ‚liep‘ ab und bedeutet so viel wie ‚Gutes, Angenehmes, Wertes‘. Wir setzten es also in Verbindung mit Dingen oder auch Personen, die unserer Seele schmeicheln, die uns guttun. Aber wo genau finde ich dieses Gefühl in der Weihnachtszeit? Auch bei mir kommt stets ein besonderes Gefühl in der Vorweihnachtszeit auf. Ich kann gar nicht genau beschreiben, wo auch immer es herrührt. Es ist einfach da, dieses Gefühl von Wärme, dieser Duft, der einem in die Nase steigt, einem vertraut vorkommt. Es ist, als würde etwas in der Luft hängen, das jeden einzelnen von uns umgibt, solange wir uns diesem öffnen und hingeben.

Aber wo kann ich darin die Liebe wiederfinden? Ist es nicht vielmehr ein Zusammenspiel aus Erinnerungen und dem Duft nach süßem Weihnachtsgebäck und Tannennadeln? Und die Erinnerungen - sind sie nicht primär von dem Gefühl geprägt, welches ich als Kind hatte, als ich ungeduldig am Esstisch saß und auf die Bescherung wartete, mit dem geschmückten Weihnachtsbaum im Rücken? Irgendwie bin ich da noch immer auf der Suche nach der Liebe, die diesen Tag ausfüllen soll… Wie sinnlich diese Zeit auch klingen mag, so sehr sind wir in dieser Zeit auch von oberflächlichen, materiellen Dingen getrieben. Was nach Entspannung klingt, ruft in den meisten von uns doch eher Stress hervor. Weihnachtsgeschenke kaufen… es ist Ende des Monats, die Geldbeutel sind eigentlich eher knapp bestückt und doch warten da alle mit großen Augen auf das eine, besondere Geschenk, was man ihnen machen soll. Es ist ja nicht einmal so, dass dieser Tag anspruchslos gestaltet wird. 

Nein! Reichliche und teure Geschenke, großes Festessen und dann auch noch darauf Wert legen, den schöner geschmückten Weihnachtsbaum als der Nachbar zu haben. Und da soll alles harmonisch ablaufen. Denn wir haben uns lieb und es ist Weihnachten, verdammt nochmal! Wenn ich so darüber nachdenke, so würde mir, wenn Weihnachten eine Person wäre, diese ziemlich leidtun. Denn jeder stellt viel zu hohe Erwartungen an „sie“. Warum nicht einfach sein, ohne Ansprüche, ohne Geschenke, ohne Profit und ohne Vergleich? Dadurch, dass wir dem Tag ein von der Gesellschaft auferlegtes Korsett anziehen, gerät die Liebe doch eigentlich in den Hintergrund. Denn macht die Liebe nicht geradezu etwas Bedingungsloses aus? Eine Zuwendung, die wir verspüren würden, auch wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden? Die da wäre, auch ohne Geschenke? Und die sicherlich nicht davon abhängig ist, wer im Umkreis von 3km den größten und schönsten Weihnachtsbaum hat? 

Warum fangen wir also nicht an, einfach zu sein, die Liebe untereinander auszuleben und das Miteinander zu genießen, uns gegenseitig Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken? Denn genau das ist doch in der heutigen Gesellschaft fast schon eine Rarität. Die Gegenwart voll und ganz seinem Gegenüber zu widmen. Ihn in vollem Glanze wahrzunehmen und sein zu lassen und ihm einfach seine Liebe zu schenken. Warum fangen wir also nicht einfach an, in dem Moment zu sein, uns ohne Anspruch mit unseren Liebsten zu umgeben und uns einfach nur gegenseitig wertzuschätzen, als Mensch, Freund oder auch Familienmitglied.

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