Das Ding oder
zum Einschlafen?

Wer engagiert sich eigentlich politisch an der Universität? Ein Gespräch mit zwei
Vertreterinnen aus der Hochschulpolitik

VON CLARA BÖHME

Erklär doch mal, woraus besteht Deine Arbeit?
Franziska: Die Hauptaufgabe des Moderationsteams ist es, den Studierendenrat, also das Gremium mit allen studentischen Vertreter:innen, zu moderieren und anzuleiten. Um eine Plattform zu schaffen, in der überfakultäre Themen, Interessen und Probleme diskutiert und zusammengetragen werden können, braucht es viel Kommunikation mit den unterschiedlichen Gremien und Mitgliedern der Universitätsgemeinschaft. Ich würde sagen, dass unsere Arbeit hauptsächlich darin besteht, Kommunikationsbrücken herzustellen und studentische überfakultäre Interessen auf unterschiedlichsten Wegen zu vertreten und Gehör zu verschaffen.
Merle: Das ist eine sehr gute Frage, die für mich gar nicht so einfach zu beantworten ist. Ganz allgemein könnte man es vielleicht so zusammenfassen: Wir organisieren, koordinieren und konzipieren. Allerdings variieren die Aufgaben über das Semester ziemlich stark. Vor allem zu Beginn des Semesters steht viel an. Dazu zählen Aufgaben wie die Begrüßung der Erstis, die Initiierung von Semestertreffen und Semestersprecher:innen-Neuwahlen, die Organisation der Semesterevaulation und noch einiges mehr. Im Laufe des Semesters stehen dann unter anderem die Verwaltung der Anfragen, die uns täglich erreichen, die Organisation der Fachschafts-Sitzungen oder von Projekten wie einem Bachelorarbeit-Infoabend, bei dem Masterstudis ihre Tipps und Tricks beim verfassen von Bachelorarbeiten teilen, an. Neben dem, was wir jetzt schon umgesetzt haben, gibt es auch noch jede Menge weiterer Ideen, die wir in unserer Amtszeit noch gerne umsetzen würden. Das würde hier allerdings den Rahmen sprengen.


Wie kam es zustande, dass Du für Deine Position angetreten bist?
Franziska: Hochschulpolitik fand ich schon im 1. Semester spannend, hatte allerdings nur über VV’s und ein paar Gesprächsrunden Berührungspunkte. Beworben habe ich mich die ersten Semester aber nicht, weil ich dachte, dass ich die Uni und die Studierendengemeinschaft noch nicht genug kenne, um mich aufstellen zu lassen. Im Nachhinein betrachtet war das eine total unnötige Sorge, weil man die Unistruktur und -gemeinschaft nie ganz überblicken und verstehen kann und man ja auch erst im Amt richtig anfängt, sich in die Strukturen einzudenken. Ich bin froh, dass mich ein Freund auf den freien Posten im Moderationsteam aufmerksam gemacht hat und mir da nochmal den nötigen Motivationsschub mitgegeben hat. Ich habe mich dann viel mit Leuten aus der Hochschulpolitik unterhalten und fand die Arbeit so spannend, dass ich mich beworben habe.
Merle: Eigentlich hatte ich nie vor, in den Vorsitz zu gehen, aber dann haben sich zwei Kommilitoninnen von mir dazu entschieden und mich gefragt, ob ich nicht auch Lust hätte, sodass wir den Vorsitz zu Dritt machen könnten (und nicht wie unsere Vorgänger zu zweit). Es war übrigens eine gute Entscheidung den Vorsitz auf drei Personen zu verteilen. Die Arbeit und Umsetzung unserer Ideen reicht gut für Drei.

Mit welchen anderen Positionen aus der Hochschulpolitik hast Du die stärksten Arbeits-Überschneidungen?

Franziska: Ich habe eigentlich mit allen studentischen Vertreter:innen der beiden Fakultäten viel zu tun. Das kommt aber natürlich auch drauf an, welche Themen gerade aktuell sind. In der StuRa-Sitzung, die ein paar Mal im Semester stattfindet, kommen wir alle zusammen und tauschen uns über die Arbeit in den unterschiedlichen Fakultäten und Gremien aus. Daraus entstehen dann Projekte und Themen, über die man mit bestimmten Vertreter:innen enger zusammenarbeitet. Die Abwechslung und das gegenseitige Zuarbeiten sind dabei genau das Spannende.

Merle: Gefühlt überschneidet sich unsere Arbeit mit sehr vielen Positionen in der Hochschulpolitik. Durch die regelmäßigen Sitzungen des Fachschaftsrates kommen wir mit all unseren wunderbaren studentischen Vertreter:innen aus allen Gremien in Kontakt. Außerdem nehmen wir am Studierendenrat teil, wo wir uns auch über unser Department und über unsere Fakultät hinaus vernetzten.

 

Was gefällt dir am meisten an deiner Position? Gibt es etwas, das Dich nervt?

Franziska: Am meisten gefallen mir die freien Gestaltungsmöglichkeiten. Neben regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen wie der VV oder den StuRa-Sitzungen, liegt es komplett an uns, welche Themen wir in Gesprächen adressieren oder welche Projekte wir umsetzen 

möchten. Genau das ist aber auch nicht immer einfach – um wirklich die Themen aufzugreifen, die für die Studierenden derzeit wichtig sind, muss man immer versuchen, einen guten Überblick über Entwicklungen, Probleme und Stimmungsbilder zu haben. Ich würde gerne einen noch besseren Überblick darüber haben, was die Studis aus unterschiedlichen Studiengängen gerade bewegt, stört oder auch begeistert. Dann könnte man nämlich zielgerichteter Formate mit dem Präsidium, Professor*innen, Kommiliton*innen oder Externen organisieren. Gleichzeitig nervt mich auch der Orga-Kram schon manchmal sehr – ohne das ganze Mails-Schreiben, Nachhaken und Fristen-im-Kopf-behalten, funktioniert es aber leider nicht. 

Merle: Besonders schön ist es, wenn im Kleinen oder im Großen spürbar wird, dass sich unser Aufwand und unsere Mühe lohnen. Wenn wir beispielsweise die Rückmeldung bekommen, dass Ideen oder Projekte den Studierenden weiterhelfen oder gefallen. Was mich nervt? Vermutlich ist das meiste, was mich stört der aktuellen Corona-Pandemie geschuldet. Mich stört, dass die kurzen „Flurgespräche“ jetzt durch Mailkontakt ersetzt wurden. Mir fällt auf, dass dadurch unheimlich viele Missverständnisse entstehen, weil nicht immer ganz klar ist, wie eine Nachricht gemeint ist. Das ist dann für alle Seiten unheimlich anstrengend, diese Missverständnisse wiederaufzuarbeiten und hält uns dann von der eigentlichen Arbeit ab.

Wie hat sich Dein Bild von der UW/H verändert, seitdem Du in der Hochschulpolitik aktiv bist?

Franziska: Also definitiv bestätigt hat sich mein Eindruck, dass es sehr viele Menschen gibt, die sich intensiv für Themen einsetzen, die sie für die Universitätsgemeinschaft für wichtig halten. Gleichzeitig habe ich aber auch schnell gemerkt, dass der Weg von einer guten Idee bis zur Umsetzung manchmal sehr weit ist. Die Strukturen sind an der Uni sehr viel komplizierter, als ich anfangs erwartet hatte. Auch wenn wir an vielen Stellen intensiv in Entscheidungen und universitäre Entwicklungen mit eingebunden und nach unserer Meinung gefragt werden, ist mir klar geworden, dass wir uns auch an unserer Uni immer wieder stark dafür einsetzen müssen, in die wichtigen Themen mit einbezogen und nicht überhört zu werden.

Merle: Mir ist aufgefallen, dass die Strukturen der UWH hierarchischer sind, als ich dachte. Dennoch ist es mir wichtig zu betonen, dass wenn wir als Studierende gute und durchdachte Verbesserungsvorschläge anbringen, wir in der Regel auch Gehör finden und Einfluss nehmen können.

Was möchtest Du in der Position erreichen?

Franziska: Primär, dass die Stimme der Studierenden weiter stark und präsent bleibt und ernst genommen wird. Darüber hinaus möchte ich Studierende darin bestärken, Veränderungen anzustreben und für den Prozess die StuRa-Plattform zu nutzen, um Unterstützung von anderen Studierenden zu finden. Ganz konkret fehlt mir außerdem die Perspektive aus der Gesundheitsfakultät im Moderationsteam. Da wir alle PPÖ’ler:innen sind, fällt es uns nicht immer leicht, einen Überblick über die Geschehnisse in der anderen Fakultät zu haben. Mit einem solchen Studi im Team würden wir der Idee der überfakultären Interessensvertretung sicher noch gerechter werden können.  

Merle: Mein größter Wunsch ist, dass das, was wir jetzt in die Wege geleitet haben, auch nach unserer Amtszeit weitergeführt und ausgebaut wird. 

 

Deine persönliche Mondlandung während Deiner Arbeit in der Hochschulpolitik? 

Franziska: Besonders in den letzten Wochen sind echt spannende Themen an der Uni aufgekommen, wo wir uns im Moderationsteam und im StuRa gefragt haben, wie wir darauf reagieren wollen. Anfang Dezember haben wir zum Beispiel das Universitätsgespräch zum Thema „Diversität und Gleichberechtigung an der UWH“ organisiert. Die Vorbereitung und Moderation war zwar nicht ganz unstressig, aber ich fand es richtig cool zu sehen, was für eine vielseitige, angeregte und auch kritische Diskussion zwischen unterschiedlichen Mitgliedern der Universitätsgemeinschaft zustandegekommen ist. Ich hatte den Eindruck, dass wir da ein gutes Gesprächsformat für dieses wichtige Thema stellen konnten und hoffe, dass sich daraus gute Projekte und weitere Austauschmöglichkeiten ergeben werden.

Merle: Ich glaube, DAS EINE ERLEBNIS gibt es gar nicht. Für mich persönlich ist es unfassbar schön, dass wir ein tolles Team an engagierten Studierenden geworden sind, die sehr respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen. Danke an alle, die uns unterstützen. Ohne Euch könnten wir die Arbeit gar nicht leisten!