“Annette, ein Heldinnenepos”

von Anne Weber

 

Jetzt neu in der pottpost: Die Buchvorstellung

 

VON MAYA MAIHACK

Anne Beaumanoir, hier Annette genannt; Heldin oder Terroristin?

Annette, geboren Anfang der Zwanzigerjahre in Frankreich, hinein in eine Welt, die damals von Krieg und Ungerechtigkeit geprägt war und in der sich im Laufe von Annettes Leben auch nicht allzu viel verbessern würde. 

Die heute 96-jährige Neurophysiologin Annette hat ihr Leben für den Kampf gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit geopfert: Als Mitglied der kommunistischen Résistance während des zweiten Weltkriegs und als Unterstützerin der Front de libération nationale im Algerienkrieg stand sie für ihr Ideal von Gerechtigkeit ein.

 

Epos, genauer ein Heldinnenepos, schien für mich eine Schreibweise zu sein, deren Aktualität eher in der Vergangenheit vorzufinden ist. 

Anne Weber schafft jedoch in ihrem neuen Buch „Annette, ein Heldinnenepos“, welches mit dem deutschen Buchpreis 2020 ausgezeichnet wurde, in einer wunderschönen Versform die Geschichte jener Umstrittenen 96-Jährigen zu erzählen. 

Ein Heldinnenepos, bei dem man laut auflachen muss vor Freude, meist jedoch aufgrund der zynischen, ja schon fast naiven Beschreibung weltgeschichtlicher Geschehnisse. 

Die Autorin beschreibt eine Figur, die das Leben von Anne Beaumanoir teilen mag, jedoch ihre ganz eigene literarische Darstellung bekommen hat.

Am Ende des Heldinnenepos kann sich jede*r selbst fragen: „Darf man Menschen töten für ein größeres Ziel? Wo hört die Heldin auf und wo beginnt die Terroristin?”

 

Dieses Buch ist gewiss eine wunderschöne Möglichkeit, in die Welt einer vielfältigen, mutigen und spannenden Frau einzutauchen. Dabei sorgt der einzigartige lyrische Stil für einen leichten Lesefluss, bei dem trotzdem kein Detail verloren geht.